Atomkraft ist Brückentechnologie und jede Brücke führt zu einem neuen Ufer

von Patrick Berberich
in Standpunkte vom 02.10.2010

brucke140

Eine sichere und klimaschützende Energieversorgung wird eine der Schlüsselfragen im 21. Jahrhundert sein. Der aktuelle Energiemix am Primärenergieverbrauch muss für die Zukunft weiterentwickelt werden. Die Abhängigkeit von Öl, Gas, Kohle und dem Brennstoff Uran birgt zahlreiche Risiken, da die Brennstoffe fast ausschließlich importiert werden müssen. Der hohe Energieverbrauch an fossilen Energieträgern trägt zudem in erheblichem Maße zum Klimawandel bei. Aufgrund des weltweiten Bedarfs und der absehbaren Endlichkeit der Energieträger ist mittelfristig mit erheblichen Preissteigerungen zu rechnen.

Aus diesen Gründen ist der konsequente Ausbau der regenerativen Energien ohne Alternative. Nach den Zielvorgaben des Bundesumweltministeriums soll bis zum Jahr 2050 der Anteil der regenerativen Energien am Primärenergieverbrauch von heute 7,3% auf 50% erhöht werden. Dieses Ziel kann nur durch eine weitere Ausdehnung der erneuerbaren Energien erreicht werden.

Als Junge Union muss uns endlich klar werden, dass die Atomkraft eine Technologie ist, die mit erheblichen Risiken verbunden ist. Die Atomenergie hält zurzeit nur noch 11,5% des Primärenergieverbrauchs. Dieser Verbrauch kann in naher Zukunft mit einem modernen Energiemix und einer Verbesserung der Energieeffizienz abgedeckt werden, ohne dass in Deutschland auch nur eine Lampe ausgeht und der Industriestandort Deutschland in seiner Existenz gefährdet wird.

Die angeblich „niedrigen“ Energiekosten durch die Atomkraft berücksichtigen derweil nicht die Milliardensummen, die für die Sanierung der Endlager bzw. Zwischenlager vom Steuerzahler aufgebracht werden müssen. Ein endgültiges Endlager wurde zudem bis heute noch nicht benannt, wodurch die Frage der Endlagerung auch nicht zuverlässig beantwortet ist. Aus diesen Gründen kann und muss der Ausstieg sobald als möglich umgesetzt werden. Die erforderliche Laufzeitverlängerung darf deswegen nicht unbefristet erfolgen, sondern muss in einem bestimmten zeitlichen Rahmen abgesteckt werden. Die Atomkraft ist Brückentechnologie und jede Brücke muss erkennbar ein neues Ufer erschließen. Zumindest haben wir das im Wahlkampf immer wieder gesagt.

Selbstverständlich müssen die Forschungen hinsichtlich der Kernfusion weiterbetrieben werden. Jedoch sind sich die Wissenschaftler darüber im Klaren, dass die Technologie noch Jahrzehnte an Forschungszeit in Anspruch nimmt und nicht sicher ist, ob sie jemals die erforderliche Energieausbeute erreichen wird.

Deswegen muss die Junge Union die politische Kraft aufbringen, den Ausstiegsprozess aus der Kernenergie aktiv mitzugestalten. Wir sind die Vordenker in unserer Partei. Wir wollen mitreden und mitentscheiden. Aber dazu müssen wir aufhören, die Phrasen von Gestern zu wiederholen und müssen uns den neuen Herausforderungen mit kreativen Ideen stellen, denn das ist unsere Stärke.




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Komentare (6)

 

  1. Tut mir leid Patrick, dass ich Dir schon wieder widersprechen muss ;-)

    Bei dieser Diskussion ist der Anteil am Primärenergieverbrauch als Maßstab schlichtweg ungeeignet. Der Anteil der Kernenergie ander Strom(!)erzeugung beträgt zur Zeit 22,1%. Im Vergleich dazu trägt Photovoltaik lediglich zu 0,5% und Windenergie zu 6,4% zur Erzeugung bei, trotz des massiven Ausbaus in den letzten 10 Jahren. Das allerdings nicht stetig, sondern nur in Abhängigkeit davon, wie der Wind weht und die Sonne scheint! Der Anteil an der Grundlast liegt deshalb noch wesentlich (!) darunter.

    Ich bin der letzte, der etwas gegen Erneuerbar Energien hat. Aber ich habe leider etwas gegen Illusionen. Und innerhalb der nächsten 10 Jahre werden wir schlichtweg nicht noch so viele Windräder und Photovoltaik Anlagen bauen können, dass diese auch bei Windstille und Wolken 22,1% unseres Stromes erzeugen, selbst wenn durch eine gesteigerte Energieeffizienz etwas davon eingespart werden könnte. Bezahlen könnte das erst recht niemand. Das ginge in absehbarer Zukunft einzig und allein über einen Ausbau der fossilen Energieerzeugung. Das muss man dann aber auch klar benennen (schon eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die Grünen den größten Kohle-Boom der letzten Jahrzehnte ausgelöst haben).

    Im Grunde sind wir ja einer Meinung: Der Weisheit letzter Schluss kann die Kernenergie nicht sein. Die Regenerativen Energien sollen und müssen in Zukunft weiter entwickelt und geförtert werden. Ich bin jedoch der Ansicht, dass die Frage der sicheren Energieversorgung zu wichtig ist, um auf gut Glück geplant zu werden. Und eine willkürliche Jahreszahl zu nennen, ohne dass es dafür einen seriösen technischen Hintergrund gibt, ist leider nichts anderes. Laut jetzigem Stand der Technik wäre die Glücksquote jedenfalls absehbar gering.

    PS: http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article6327688/Stromkunden-muessen-mindestens-100-Euro-draufzahlen.html

  2. Matthias Carra sagt:

    Nachdem wir uns ja in dem einig sind, dass momentan noch kein Kraut gegen die Kernenergie gewachsen ist und wir diese Form der Stromerzeugung brauchen, um unser doch sehr aufwendiges Leben mit PC, TV und was weiß ich noch alles, und vorallem die Produktion, von der wir als Exportnation zwingend abhängig sind, aufrecht zu halten.
    Ob und wie man Kernenergie einsetzt, war eine Frage der Vergangenheit. Erschreckend finde ich, die Zeit die benötigt wird, um das Thema Entsorgung und Aufbereitung abschließend zu diskutieren. Meiner Meinung nach wäre das alles vor dem Start des ersten Reaktors nötig gewesen. So wie wir momentan in Deutschland rumeiern und uns ständig fragen, ob man nun die AKW´s weiterlaufen lässt oder nicht, finde ich recht beschäment, wenn man sich überlegt, dass in Europa und vorallem China AKW´s wie Pilze aus dem Boden schießen.
    Mir ist es auch nicht wohl bei dem Gedanken, dass sich Tschernobyl prinzipiell widerholen kann, obwohl dort meiner Meinung nach Diletanten am Werk waren. Mir ist auch nicht wohl bei dem gedanken, dass der Atommüll Jahrhunderte strahlt und in der Erde in einem Salzbunker liegt. Ändern kann man daran aber nichts mehr. Der Müll ist schon da also sollte man die Bunker voll machen, wie man das geplant hat und bis sie voll sind, sollte man die AKW´s weiter laufen lassen. Man sollte aber natürlich nicht aufhören, nach anderen Möglichkeiten der Stromerzeugung zu suchen, die natürlich auch die Umwelt schonen, besser noch schützen sollten.
    Mit der Kernenergie ist es wie mit vielem, vor Jahrzehnten hat man mal was angefangen, wovon keiner wirklich richtig Ahnung hatte und sich auch keiner mal mit den Auswirkungen wirklich beschäftigt hat. Es wurde mal Angefangen, wie es weiter geht und wie den Folgen entgegen zu wirken ist kann ja die nachfolgende Generation entscheiden.
    Die JU sollte sich nochmals mit diesem Thema ausführlich befassen und auch mit der CDU eine Lösung abstimmen und zwar keine Lösung zur Bedienung irgendwelcher Lobbyisten oder bestimmter Wählerschaften, sonder wirklich mal eine Lösung die ganzheitlich durchdacht ist und von der die gesamte Bevölkerung etwas hat.

  3. Patrick Berberich sagt:

    Mit dem politischen Rückenwind des CDU Landesvorsitzenden kann man gut leben! :-)

    http://www.cdurlp.de/no_cache/pressestelle/meldungen/aktuelles/artikel/4370/951/index.html?cHash=00c9c9f8a8

  4. Ich finde es super, dass sich die JU so intensiv mit dem Thema auseinandersetzt. Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, habe ich mich in den letzten Tagen mehrmals zu diesem Thema öffentlich geäußert. Meiner Meinung nach sollten wir den Weg von Norbert Röttgen unterstützen. Klar ist, wir müssen langfristig Kern- gegen regenerative Energie ersetzen. Dies sollte Hand in Hand erfolgen. Wie in der Überschrift des obigen Beitrags sieht die CDU Rheinland-Pfalz die Kernenergie als Brückentechnologie, d.h. Kernkraftwerke sollten den Zeitraum bis die regenerative Energien verlässlich zur Verfügung steht überbrücken. Mehr dazu könnt ihr in unserem Maria Laacher Eckpunkte Papier von 2008 lesen (http://bit.ly/9ALOV1).

    Euer
    Christian Baldauf

  5. Martin Senne sagt:

    Ich nehme aus der Diskussion hier v.a. eins mit:
    Das Thema ist höchst komplex – und darüber muss auch diskutiert werden, da es die einzig beste Lösung einfach nicht geben kann:
    Klar, die Bedenken gegenüber der Atomenergie sind berechtigt: Neben dem Sicherheitsrisiko in den Anlagen, die meiner Meinung nach zumindest beim Einsatz moderner Technik beherrschbar sind, ist es v.a. die Endlagerfrage, die mir höchst problematisch erscheint. Spätestens mit “Asse” zeigt sich das größte Problem: Da schlummert noch die nächsten Jahrhunderte lang strahlender Müll in der Erde, womit wir (noch) nicht wissen, wohin wir diesen verfrachten sollen .
    Die derzeitige Alternative, Kohlekraftwerke zu bauen, um Atomkraftwerke abschalten zu können, ist auch nicht der goldene umweltpolitische Weg.
    Was bleibt, ist das, was auch der Landes- und Bundes-CDU vorschwebt: Den Übergang schaffen hin zu erneuerbaren Energien und den Einsatz der Atomkraftwerke als “Brückentechnologie”. Das schließt aus meiner Sicht den Bau neuer AKWs gar nicht mal aus: Denn neuere Kraftwerke haben sicherlich keinen schlechteren Sicherheitsstandard als die alten Anlagen; ggf. können dann auch Technologien zum Einsatz kommen, die weniger strahlenbelasteten Atommüll erzeugen… Nur sollte dies begründet passieren – und auch die Frage dann geklärt sein, was mit den Strahlenresten danach geschieht.
    Ein weiteres Problem besteht derzeit beim Einsatz erneuerbarer Energien, was auch Frank hier bereits aufgegriffen hat: Wenn der Wind nicht weht, kann das Windrad keinen Strom erzeugen; wenn die Sonne nicht scheint, klappt’s auch mit der Solarenergie nicht ordentlich.
    Das Problem ist dann: Strom speichern ist nach wie vor technisch schwierig (zumindest wenn man nicht in der Schweiz wohnt, die deshalb Wasser den Berg hochpumpen, wenn zu viel Strom im Netz ist…)
    Worauf ich hinaus will: Das Feld über die energiepolitische Diskussion muss ausgeweitet werden, wie auch schon Matthias ansprach und darf sich nicht nur auf die Frage “Atomkraftwerke – ja oder nein?” beschränken. Vielmehr sind Dinge wie Stromnetz, Einsatz von Elektro-PKWs und Energieeffizienz usw. Themenfelder, die mit in die Diskussion einbezogen werden müssen.

  6. kurzes Update:

    Spiegel: Merkel schaltet Röttgen ab
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,679259,00.html

    Rede von Dr. Michael Fuchs im Bundestag:
    http://webtv.bundestag.de/iptv/player/macros/_v_f_514_de/od_player.html?singleton=true&content=511280

    FAZ: Amerika plant die nukleare Renaissance
    http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E0CB19A9CC5E94A9CAAAF1231E1404B62~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    So ganz alleine stehe ich also doch nicht, wenn ich der Meinung bin, dass in der Grundlastsicherung (noch) kein Weg an der Kernenergie vorbei geht ;-)

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